Mao: Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes
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Demontierung des Mythos Mao
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes (Gebundene Ausgabe) Wenn von den drei wichtigsten Diktatoren des vergangenen Jahrhunderts die Rede ist, werden im Allgemeinen Hitler, Stalin und Mao genannt. Entsprechend viel wurde über diese drei historischen Figuren dann auch geschrieben und publiziert. Das Problem mit Werken über Diktatoren dieses Ausmaßes ist dabei immer, dass viele Informationen über die Personen nicht an die Öffentlichkeit kommen, solange das Regime noch an der Macht steht. Über Hitler wurde schon sehr früh viel in Erfahrung gebracht: Schon ab Ende des zweiten Weltkrieges 1945, als sein Deutsches Reich zerschlagen wurde. Vieles von dem, was wir heute über Stalin wissen, der immerhin auch schon 1953 verstarb, wissen wir dagegen erst seit 1991, als die Sowjetunion zerbrach. Bei Mao ist es noch extremer, denn die Kommunistische Partei Chinas ist noch heute an der Macht. Und so werden auch heute noch viele geheime Dokumente unter Verschluss gehalten, und die Propagandamaschinerie der Partei arbeitet auch weiterhin. Unter dieser Tatsache litten bislang alle Biografien, die über Mao geschrieben wurden.
Selbstverständlich hatten auch Jung Chang und Jon Halliday mit diesem Problem zu kämpfen. Allerdings ist es ihnen gelungen, viele bisher unbekannte und/oder öffentlich nicht publizierte Quellen zu verwenden. Und genau dies ist die große Stärke dieses Buches: Das Geschriebene basiert auf einem ungewöhnlich umfangreichen Quellenmaterial. 145 Seiten des Anhangs nehmen die Quellenangaben ein. Darunter finden sich Namen von Zeitzeugen und Politikern, Staatsarchive aus vielen Ländern (Darunter Russland, USA, Deutschland, Großbritannien, selbst Großarchive der Volksrepublik China!) und hunderte von sonstigen Quellen und Büchern. Entsprechend nahmen die Arbeiten an diesem Buch auch über eine Dekade in Anspruch.

Die Biografie ist gut 800 Seiten stark, und in sechs Hauptteile gegliedert, die wiederum in mehrere Kapitel unterteilt sind. Erzählt wird Chronologisch, wobei sich die Unterkapitel der Hauptteile nicht an Jahren, sondern an Ereignissen orientieren, und sich dementsprechend zeitlich oft überschneiden.
Der erste Teil befasst sich mit Mao als Jugendlichem und jungem Anhänger der kommunistischen Partei (1893-1927). Sein Aufstieg zum Führer dieser Partei wird im zweiten Teil beschrieben (1927-1935). Im dritten Teil wird dargelegt, wie er seine neu errungene Macht festigen konnte (1935-1945), bis es im vierten Teil um die Eroberung Chinas geht (1945-1953). Die letzten beiden Teile Fünf und Sechs handeln von Maos Bestreben, sein Land zu einer militärischen Supermacht aufzubauen (1947-1965), und letztlich von seinem Kampf gegen innerparteiliche Widersacher. (1965-1976)
Bei der Nacherzählung von Maos Leben machen die Autoren immer wieder deutlich, wie stark sein ganzes Handeln immer von seinem Machtbestreben gelenkt war. Es wird klar, dass ihm eigentlich nichts an der Installation seines wirklich Sozialistischen oder gar Kommunistischen Systems lag, sondern dass es ihm lediglich um eine totalitäre Diktatur, mit ihm an der Spitze ging – Egal, nach welchem System. Von seiner hässlichsten Seite präsentiert sich Mao, wenn es um die Bevölkerung des eigenen Landes geht: Ungeschönt werden die Gründe für den unnötigen Tot von rund 70 Millionen Chinesen unter Maos Herrschaft offengelegt. Immer wieder gehen Jung Chang und Jon Halliday dabei auf die wesentlichen Charakterzüge von Mao ein, und zeichnen auf diese Weise das Bild eines gefühlskalten Sadisten – Charakterzüge, die ihn über 20 Jahre an der Macht hielten.

Noch nie zuvor wurde Maos Leben so detailliert und ausführlich erzählt. Durch den flüssigen Schreibstil und die logische Gliederung, ist das Buch zudem sehr einfach zu lesen. Einziger Kritikpunkt ist die starke Einseitigkeit. Vorhandene Talente und Fähigkeiten Maos werden komplett übergangen, so dass sich unweigerlich die Frage stellt, wie ein unfähiger Mann so lange an der Spitze bleiben, den ebenfalls kühl berechnenden Stalin zeitweise ausnutzen, und selbst Anti-Kommunisten wie US-Präsident Nixon um den Finger wickeln konnte. Welche Wesenszüge diesen Menschen zu solchen Dinge befähigten, wird leider nicht behandelt. Trotz dieser Einseitigkeit, bleibt das Werk ein hervorragendes und wichtiges Sachbuch, und die beste Biografie über Mao, die bislang erschienen ist.
Der Mythos, den der Personenkult um Mao in China geschaffen hat, und der vor allem durch die 68er-Bewegung auch in die westliche Welt getragen wurde, wird mit diesem Werk demontiert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. März 2006
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